Elbe-Saale

Aktivenportrait: Matthias Altmann, Ortsgruppe Weimar

Gilbert Weise, unser Mann in Gera, hat ein Interview mit Matthias Altmann von der im letzten Jahr reaktivierten Ortsgruppe Weimar geführt.

Gilbert Weise (GW): Wie bist Du zum VCD gekommen, seit wann bist Du aktiv?

Der VCD war der erste Verband, in den ich nach der »Wende« eingetreten bin. Einfach, weil er genau auf meiner »Wellenlänge« lag. In Weimar haben wir damals mit ein paar Leuten einen Thüringer Landesverband gegründet. Der schlief dann leider irgendwann ein, aber nun haben wir eine Ortsgruppe sozusagen wiedererweckt.

GW: Was war der Anlass für die Reaktivierung der Ortsgruppe Weimar?

Letztendlicher Auslöser war der Zuzug von Felix Kaiser nach Weimar. Er war in Gera schon lange in der dortigen VCD-Gruppe aktiv und ein mir bereits bekannter Mitstreiter. Dieser brachte mich dazu, das schon länger in mir schlummernde Vorhaben in die Tat umzusetzen, die in und um Weimar wohnenden Mitglieder anschreiben zu lassen und sie einzuladen. Weil: die Themen und Handlungsbedarfe im Bereich Verkehr, sie liegen – wie in ganz Thüringen und darüber hinaus – auch in Weimar buchstäblich auf der Straße und locken mich schon lange, konkret dazu aktiv zu werden. Es meldeten sich daraufhin tolle Leute, u.a. auch von der Bauhaus-Universität. Jetzt sitzen wir allmonatlich mit Lust, Freude und Lebenserfahrung und Fachkompetenz an einem Tisch und arbeiten inhaltlich.

GW: Bestimmt hast Du Ideen, wie der Verkehr in Weimar besser gemacht werden kann. Was kannst Du uns da berichten?

In unserer Ortsgruppe haben wir ein paar Schwerpunktthemen herausgearbeitet, an denen wir konkret dran bleiben wollen. So zum Beispiel den Nahverkehrsplan mit der Weiterentwicklung des Stadtbusangebotes einschließlich einer verbesserten Abstimmung sowohl mit dem Schienen- als auch dem Regionalbusverkehr. Dann das Radwegekonzept, die Ausweitung der Fußgängerzonen und die Zurückdrängung der Autos aus dem Stadtzentrum. Wir verstehen uns dabei als mahnender, aber gern auch unterstützender Partner der Stadtverwaltung und erhoffen daher auch, bei allen Planungen und Konzeptentwicklungen mit Mobilitätsrelevanz einbezogen und gehört zu werden. Wozu auch die Einrichtung eines Weimarer Fahrgastbeirates gehört, den es bisher noch nicht gibt.

GW: Und im Land Thüringen?

Auf Landesebene hat sehr viel Positives im Koalitionsvertrag der letzten Landesregierung gestanden. Bei der Realisierung oder auch nur dem konkreten Anpacken ist sie nach unserer Sicht aber weit unter ihren Möglichkeiten geblieben. Deshalb wollen wir da künftig mehr Druck machen, gern auch in Abstimmung mit weiteren Verbänden. Stichworte dabei sind eine wirkliche Verknüpfung der öffentlichen Verkehrsangebote und eine massive Stärkung des Umweltverbundes (Bahn, Bus, Fahrrad, Füße). Das alles soll insgesamt auf der Basis abgesicherter Finanzierungen erfolgen, damit eine wirklich attraktive Alternative zum Auto entsteht, auch und gerade im ländlichen Raum. Zum Beispiel mit einer Regio-S-Bahn, eines rasterartig gebildeten Bahn-Bus-Netz zwischen den Städten in Nordthüringen, oder der Schaffung eines musterhaften Nahverkehrssystems auch für den Tourismus im Thüringer Wald. Hierzu braucht es einen aktiven und kreativen VCD!

GW: Das betrifft ja viele Akteure und viele Regionen …

… und deshalb liegt mir viel daran, die Thüringer Ortsgruppen zu vernetzen, um unserem tollen Verband auch auf Landesebene das nötige und unverzichtbare Gehör zu verschaffen.

GW: Du bist ja gewerkschaftlich organisiert – was ist Dein besonderer Blick auf den umweltfreundlichen Verkehr?

Bei allem gilt: wir stehen vor einer existenziellen Grundsatzentscheidung. Entweder wir bekommen jetzt die Kurve, oder die Lebensgrundlagen für unsere Nachkommen sind akut bedroht, wenn nicht schon im Eimer. Und dieser Wandel kann nur ein sozialer und ökologischer gleichermaßen sein! Das treibt mich um als Gewerkschafter und als Umweltbewegter. Was wir brauchen, ist ein Bündnis für die Zukunft. Friedens-, Klima-, Naturschutzbewegte, Glaubensengagierte, Gewerkschafter*innen, Flüchtlings­aktivist*innen – alle werden gebraucht mit ihrer Stimme und Kraft, mit ihren Hirnen und Herzen, auch um die Demokratie zu stärken und GEMEINSAM den Rassisten und Nazis die Stirn zu bieten.

GW: Warum sollte sich jemand in der Ortsgruppe Weimar engagieren?

Gerade auch die Verkehrsthemen betreffen nahezu alle und sind ein gesellschaftliches Thema im besten Sinne. Daher sind alle, die an einer zukunftsfähigen Mobilität interessiert sind, eingeladen zum Mitmachen, mit ihren Ideen und ihrer Kreativität. Zum Beispiel für die Europäische Mobilitätswoche im Herbst. In und um Weimar wollen wir als VCD dafür eine gute Adresse sein, auch für menschlichen Austausch. Wenn wir als Verband dies weiter fördern und unterstützen, auch durch entsprechendes Material über die Bundesgeschäftsstelle, dann haben wir jede Menge Potenzial und Möglichkeiten, ein aktiver Treiber der Verkehrswende zu werden!

GW: Danke für das Interview. Ich wünsche viel Erfolg bei der Umsetzung der Projekte.

Die Ortsgruppe Weimar trifft sich regelmäßig am zweiten Mittwoch im Monat, 18 Uhr, am Goetheplatz 9b in den Räumlichkeiten der Grünen Liga.

zurück