Elbe-Saale

Neue Wege, Politik

Gute Ideen für das Projekt »NEUE MITTE Gera«

Erfolgreiche Diskussionsrunde »Modern mobil in Geras neuer Mitte«

Unter dem Motto „Modern mobil in Geras neuer Mitte“ hat die VCD-Ortsgruppe Gera gemeinsam mit dem Verein Grünes Haus Gera im Februar eine Diskussionsrunde veranstaltet. Das Projekt „NEUE MITTE“, ein Thüringer IBA-Kandidat, hat die Belebung einer zentralen, heute brachfliegenden Fläche vor dem Kultur- und Kongresszentrum (KuK) zum Inhalt. Wie soll die Fläche gestaltet werden: Grünflächen, Wohnen, Handel oder Kleingewerbe…? In der Stadt gibt es ganz verschiedene Vorstellungen dazu. Für eine zeitgemäße, verkehrsarme Entwicklung plädieren die Organisatoren und hatten als Referenten Laurenz Heine, Regionalkoordinator des VCD-Projektes „Wohnen leitet Mobilität“ und VCD-Landesvorsitzender, eingeladen.

Foto eines visualisierenden Modells aus Pappe mit Ost-West-Blick auf das Planungsgebiet
Jens SchneiderModell mit Überblick über das Planungsgebiet von Nord nach Süd: die gesamte Fläche liegt derzeit brach. Am linken Bildrand sind vorn die Bibliothek, danach die Dr.-Eckener-Straße mit Parkhaus und KuK zu sehen, links hinten das halbrunde ELSTER-FORUM, anschließend das Stadtmuseum (mit kleinem Turm), rechts beginnt die zentrale Umsteigestelle Heinrichstraße. Der Grünzug rechts ist die Breitscheidstraße.
Blick auf den Kreuzungsbereich vor den Gera-Arcarden im visualisierenden Modell aus Pappe.
Gilbert WeiseIm Modell gut zu erkennen ist der Überweg über die Breitscheidstraße, die derzeit die wesentliche Verbindung zwischen dem Einkaufskomplex GERA-ARCADEN (links) und der Altstadt (mit Stadtmuseum, rechts anschließend) darstellt. Als Anfang einer Verbesserung der Situation müssten die Ampelphasen für Fußgänger deutlich verlängert werden. Denkbar wäre auch eine völlige Schließung für den Kraftfahrzeugverkehr – nur noch die Straßenbahnverbindung Richtung Hauptbahnhof und Untermhaus bliebe bestehen. Eine Umgestaltung zu einer shared-space-Nutzung ist dort denkbar.
Blick auf den zentralen Umsteigepunkt von Straßenbahn und Bus im visualisierenden Pappmodell
Gilbert WeiseModell-Blick von der zentralen ÖPNV-Umsteigestelle Heinrichstraße auf einen der beiden sogenannten Ankerbauten in Geras Neuer Mitte. Links ist der Einkaufskomplex GERA-ARCADEN zu sehen, rechts das Stadtmuseum mit der dahinterliegenden Straßenbahndurchfahrt durch das ELSTER-FORUM. Nicht mehr so recht erkennbar wäre das Kultur- und Kongresszentrum, welches durch die neue Platzbebauung verdeckt würde.
 

Laurenz Heine berichtete über Mobilitätsbeziehungen in zentralen innerstädtischen Quartieren am Beispiel der VCD-Projektstädte. Die rund 30 Gäste der Veranstaltung, unter ihnen Stadträte, Fachdienstleiter und Planer diskutierten im Beisein der Presse zu Fragen der Verkehrserschließung und den Möglichkeiten der Festsetzungen in der Bebauungsplanung.

Eine umfassende Bürgerbeteiligung am Projekt „NEUE MITTE Gera“ wurde bereits im Vorfeld durch im Projekt engagierte Ehrenamtliche forciert. Hierzu gab es im KuK eine gut besuchte Ausstellung der Stadt mit Modellen zur zukünftig möglichen Gestaltung der Fläche zwischen KuK, Bibliothek, Stadtmuseum und Zentraler Umsteigestelle. Über mehrere Phasen läuft dieses Projekt und im Sommer 2018 wird der Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes durch den Stadtrat erwartet.

Laurenz Heine konnte mit interessanten Fakten und Beispielen aufwarten: So haben andere Städte wie Potsdam oder Köln bei der Umgestaltung von Quartieren darauf geachtet, dass der Stellplatzschlüssel geringer als der städtische Durchschnitt ist, dafür aber z. B. sichere Abstellmöglichkeiten für Lasten- und Elektrofahrräder geschaffen wurden. Er wies immer wieder darauf hin, dass in den größeren Städten der deutliche Trend weg vom eigenen Auto hin zu öffentlicher oder geteilter Mobilität bei der jungen Generation besteht. Dies müsse bei der Planung mit Blick auf heutige Verhaltensmuster beachtet werden.

Chancen sahen die Diskussionsteilnehmer auch im Versuch, eine „shared space“-Nutzung für den Kreuzungsbereich zwischen dem größten Einkaufszentrum der Stadt, dem Beginn der Altstadt und dem Projektgebiet zu testen. Als erster Schritt wurde vorgeschlagen, zur Verkehrsberuhigung die Ampelzeiten für Fußgänger des wichtigen Überweges am Stadtmuseum großzügiger auszulegen. Eine Schließung der innerstädtischen Breitscheidstraße als Voraussetzung für weniger Lärm und andere Emissionen wurde kontrovers, aber ergebnisoffen diskutiert.

Nach der gelungenen Veranstaltung wird die VCD-Ortsgruppe am Thema bleiben, um umweltverträgliche Aspekte für die Ausgestaltung der Fläche im Sinne einer hohen Wohn- und Aufenthaltsqualität im neuen Quartier im Gespräch zu halten.

Jens Schneider für den VCD Gera

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