Empfehlungen zur weiteren verkehrlichen Betrachtung und Planung des Bauprojekts Steinweg Gera
- Vertiefende Voruntersuchung
Es wird dringend empfohlen, vor weiteren Planungsschritten eine umfassende vertiefende Untersuchung der verkehrstechnischen Rahmenbedingungen (Zustandsanalyse) durchzuführen. Diese sollte alle relevanten Belange des Kfz-, Rad- und Fußverkehrs einbeziehen und das Umfeld bis zur Clara-Zetkin-Straße berücksichtigen. Besonderes Augenmerk sollte auf die zukünftigen Bedingungen des Straßenbahnverkehrs gelegt werden – insbesondere im Bereich der Haltestelle „Leipziger Straße / Kino METROPOL“ . - Abwägung der Erschließungsvarianten
Eine systematische Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile der beiden Erschließungsvarianten wird empfohlen, um eine nachvollziehbare und tragfähige Entscheidung zu ermöglichen. - Zeitliche Abstimmung mit der Umgestaltung des Steinwegs
Die Verkehrslösung sollte in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Umgestaltung des Steinwegs umgesetzt werden. Empfohlen wird, die neue Erschließung möglichst bereits vor Beginn der Baumaßnahmen im Steinweg betriebsbereit zu machen, um den Bereich Hinter der Mauer während der Bauzeit uneingeschränkt erschließen zu können. - Integration von Stadtgrün
Es wird empfohlen, Bäume dort einzuplanen, wo dies trotz der beengten unterirdischen Leitungs- und Bauverhältnisse möglich ist. Eine genaue Prüfung der Pflanzstandorte ist erforderlich. - Stärkung des Fußverkehrs
Um die gewohnte, wichtige Fußwegverbindung „die Sorge hinauf, den Steinweg entlang, die Große Kirchstraße hinunter“ zu erhalten, sollte der Fußverkehr vorrangig betrachtet werden. Eingriffe, die diese Verbindung unterbrechen oder erschweren, sind nach Möglichkeit zu vermeiden. - Durchbindung der Fußgängerzone / Shared-Space-Option
Zur Beruhigung des Verkehrs wird empfohlen, die Fußgängerzone aus der Sorge heraus bis zum Zschochernplatz durchzubinden. Eine Shared-Space-Lösung kann sinnvoll sein, sofern dabei die Bedürfnisse mobilitätseingeschränkter Personen berücksichtigt werden – insbesondere durch klare, ertastbare und gut sichtbare Abgrenzungen. - Reduzierung des motorisierten Verkehrs im Bereich Hinter der Mauer
Um den Kfz-Verkehr im Quartier nachhaltig zu verringern, wird empfohlen:
- Parkraum zu reduzieren,
- restriktive Zufahrtsregelungen zu prüfen,
- Quell- und Zielverkehr gezielt zu begrenzen.
- Schutz der Leistungsfähigkeit des ÖPNV
Die geplante Mitnutzung des besonderen Bahnkörpers der Straßenbahn durch Kfz-Verkehr am östlichen Ende von Hinter der Mauer sollte kritisch hinterfragt werden. Empfohlen wird, mögliche Beeinträchtigungen der Straßenbahnbeschleunigung frühzeitig zu analysieren und wenn nötig alternative Lösungen zu entwickeln. - Bewertung neuer Konfliktpunkte mit der Straßenbahn
Bislang quert nur der für die Nordseite Hinter der Mauer (Anlieger zwischen Hinter der Mauer und Sorge) relevante Verkehr die Straßenbahnstrecke, während der Verkehr für die Südseite (Anlieger zwischen Hinter der Mauer und Großer Kirchstraße) in gar keinem Konflikt zum Straßenbahnverkehr steht. Zukünftig würden die nördlichen wie auch die südlichen Anlieger die Straßenbahntrasse nicht nur queren, sondern über eine Strecke von rund 300 m mitnutzen. Trotz eines 7,5-Minuten-Takts je Richtung (16 Fahrten pro Stunde) dürfte die absolute Kfz-Menge gering bleiben. Dennoch wird empfohlen, diese neuen Konfliktpunkte sorgfältig zu prüfen und Maßnahmen zu entwickeln, die sichere und möglichst konfliktfreie Begegnungen gewährleisten. Ein Vergleich mit hochbelasteten Bereichen wie dem Erfurter Anger wäre sicherlich nicht angemessen.