Thüringen
Ortsgruppe Gera
Der VCD Elbe-Saale fordert eine länderübergreifend abgestimmte Strategie für den Schienenverkehr in Ostthüringen. Im Mittelpunkt stehen der Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung, die Elektrifizierung der Strecke Leipzig–Gera und eine verlässliche Perspektive für den Fernverkehr.
In einer Stellungnahme an den Ausschuss für Digitales und Infrastruktur des Thüringer Landtags bewertet der VCD Elbe-Saale die aktuelle Situation des Schienenverkehrs in Ostthüringen. Der Verband sieht die Region gegenüber Mittel- und Westthüringen strukturell benachteiligt: Vor allem rund um Gera prägen noch immer eingleisige und nicht elektrifizierte Strecken das Netz. Gleichzeitig bestehen Kapazitätsprobleme und Unsicherheiten beim Fernverkehr.
Aus Sicht des VCD müssen Infrastruktur und Angebot deshalb gemeinsam weiterentwickelt werden. Drei Vorhaben haben dabei Priorität:
Ostthüringen bildet mit den Oberzentren Jena und Gera sowie den umliegenden ländlichen Räumen einen gemeinsamen Wirtschafts-, Wissenschafts- und Lebensraum. Seine Lage an mehreren Landesgrenzen macht die Region besonders abhängig von gut abgestimmten Verbindungen nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern.
Während Erfurt und Teile Mittel- und Westthüringens von der ICE-Infrastruktur profitieren, sind große Teile Ostthüringens weiterhin durch nicht elektrifizierte und teilweise eingleisige Strecken geprägt. Besonders deutlich wird dies im Raum Gera, wo wichtige Verbindungen über Landesgrenzen hinwegführen und damit unterschiedlichen Aufgabenträgern unterliegen.
Für den VCD ist eine leistungsfähige Bahnanbindung deshalb nicht nur eine Frage des Verkehrsangebots. Sie beeinflusst auch wirtschaftliche Entwicklung, Fachkräftegewinnung, Wissenschaft, Tourismus und gleichwertige Lebensverhältnisse.
Zentrales Infrastrukturprojekt ist aus Sicht des VCD der Ausbau und die Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Weimar und Gößnitz.
Erst mit der Elektrifizierung lassen sich die vorgesehenen Angebotsausweitungen des Thüringer Elektro-Netzes sinnvoll umsetzen. Gleichzeitig verbessert sie die Voraussetzungen für durchgehende elektrische Fernverkehrsverbindungen über Jena und Gera.
Besonders kritisch sieht der VCD deshalb mögliche Verzögerungen bei der Finanzierung und Umsetzung. Die vollständige Elektrifizierung ist zugleich Voraussetzung für das geplante neue Regionalverkehrsangebot. Infrastrukturplanung und Verkehrsangebot dürfen hier nicht voneinander getrennt betrachtet werden.
Auch auf der Verbindung Leipzig–Gera besteht erheblicher Handlungsbedarf. Die Beschränkung der geplanten Elektrifizierung auf den Abschnitt Leipzig–Zeitz hält der VCD für verkehrspolitisch nicht nachvollziehbar.
Eine durchgehende Elektrifizierung würde nicht nur bessere Verbindungen zwischen Ostthüringen und dem Raum Leipzig ermöglichen. Sie ist auch für eine mögliche Einbindung in das Netz der S-Bahn Mitteldeutschland und für künftige Fahrzeugkonzepte im ostthüringischen Regionalverkehr von Bedeutung.
Perspektivisch sollte die Strecke zudem weiter ausgebaut und zweigleisig entwickelt werden.
Neben langfristigen Infrastrukturprojekten sieht der VCD auch unmittelbaren Handlungsbedarf im Regionalverkehr. Besonders auf den Relationen Erfurt–Jena, Leipzig–Gera–Hof und Gera–Glauchau reichen die vorhandenen Sitzplatzkapazitäten nach Einschätzung des Verbandes in den Hauptverkehrszeiten teilweise nicht aus.
Angestrebt werden sollten unter anderem ein Halbstundentakt zwischen Gera und Jena sowie zwischen Gera und Leipzig und langfristig ein Viertelstundentakt zwischen Jena und Erfurt.
Für die Saalbahn schlägt der VCD zudem vor, den RE15 Leipzig–Jena–Saalfeld auf einen durchgehenden Stundentakt zu verdichten.
Kritisch bewertet der VCD die unsichere Entwicklung des Fernverkehrs in Ostthüringen. Bereits geschaffene Angebote wurden wieder reduziert oder stehen zur Disposition. Für Unternehmen, Wissenschaftseinrichtungen und Fahrgäste fehlt damit eine belastbare langfristige Perspektive.
Als Ziel sieht der VCD auf Saalbahn und Mitte-Deutschland-Verbindung einen durchgehenden Zweistundentakt im Fernverkehr, eingebettet in den Deutschlandtakt und ergänzt durch einen dichten Regionalverkehr.
Wichtige Direktverbindungen bestehen aus Sicht des Verbandes insbesondere in Richtung Leipzig, Dresden, Nürnberg, Frankfurt am Main und Berlin.
Viele für Ostthüringen wichtige Bahnverbindungen enden nicht an der Landesgrenze. Genau dort liegt jedoch eines der strukturellen Probleme: Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern bestellen und finanzieren ihren Regionalverkehr jeweils eigenständig.
Der VCD schlägt deshalb verbindliche Kooperationsmodelle zwischen den Aufgabenträgern, gemeinsame Bestellerkonzepte und transparente Finanzierungsschlüssel vor. Nur so lassen sich langlaufende Verbindungen wie etwa Leipzig–Gera–Hof–Nürnberg dauerhaft entwickeln.
Jena und Gera sollten dabei nicht gegeneinander betrachtet werden. Beide Städte erfüllen unterschiedliche Funktionen innerhalb eines gemeinsamen ostthüringischen Entwicklungsraums.
Ostthüringen braucht deshalb mehr als einzelne Bahnprojekte. Nötig ist eine abgestimmte Gesamtstrategie, die Infrastruktur, Regionalverkehr und Fernverkehr gemeinsam plant und langfristig finanziell absichert.