Landesverband Elbe-Saale
Wer häufig mit Bus und Bahn unterwegs ist, erlebt im Alltag weiterhin erhebliche Probleme mit der Zuverlässigkeit. Das zeigt die Auswertung des VCD-MobiChecks für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Besonders kritisch fällt die Bewertung in Sachsen-Anhalt aus.
Von Anfang Mai bis Ende Juni 2026 hat der VCD bundesweit rund 7.500 Menschen gefragt, wie sie den öffentlichen Nahverkehr erleben: Wie zuverlässig fahren Bus und Bahn, wie gut funktionieren Anschlüsse und wo besteht Verbesserungsbedarf? Der VCD-Bundesverband hat die bundesweiten Ergebnisse jetzt veröffentlicht. Für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben wir die Antworten zusätzlich regional ausgewertet.
Zu den bundesweiten Ergebnissen des VCD
Rund vier von zehn Befragten geben in allen drei Ländern an, im vergangenen Jahr wegen Problemen im ÖPNV Termine verpasst zu haben oder verspätet angekommen zu sein. Damit geht es bei Verspätungen und Ausfällen nicht nur um Ärger über einzelne Fahrten – sie wirken sich unmittelbar auf den Alltag der Fahrgäste aus.
Gleichzeitig wird die aktuelle Zuverlässigkeit sehr unterschiedlich bewertet. In Sachsen und Thüringen sagen jeweils rund 54 Prozent, dass Bus und Bahn meistens pünktlich sind. In Sachsen-Anhalt sind es nur 42 Prozent.
Auch bei den Anschlüssen zeigt sich ein Unterschied: In Thüringen geben rund 60 Prozent an, ihre Anschlüsse meistens zu erreichen, in Sachsen 56 Prozent und in Sachsen-Anhalt nur 46 Prozent.
Besonders deutlich fällt der Blick auf die vergangenen Jahre aus. Nur rund 21 Prozent der Befragten in Sachsen und 18 Prozent in Thüringen finden, dass Bus und Bahn in den vergangenen fünf Jahren zuverlässiger geworden sind.
In Sachsen-Anhalt sind es sogar nur etwa zehn Prozent. Rund 60 Prozent widersprechen dort der Aussage, dass sich die Zuverlässigkeit verbessert habe.
Damit entsteht ein auffälliges Bild: Auch dort, wo der ÖPNV im Alltag von vielen noch als grundsätzlich funktionierend erlebt wird, nehmen nur wenige eine positive Entwicklung wahr.
In mehreren Bereichen fällt Sachsen-Anhalt gegenüber Sachsen und Thüringen deutlich zurück. Nur rund ein Viertel der Befragten fühlt sich dort zuverlässig über aktuelle Störungen informiert. In Sachsen sind es knapp 48 Prozent, in Thüringen 43 Prozent.
Auch mit dem gesamten ÖPNV-Angebot sind in Sachsen-Anhalt nur rund 33 Prozent zufrieden. In Thüringen sind es 39 Prozent, in Sachsen 48 Prozent.
Gerade in Sachsen-Anhalt wird deshalb auch Verlässlichkeit besonders häufig als wichtiges Merkmal eines attraktiven ÖPNV genannt.
Die Befragung hat überwiegend Menschen erreicht, die den ÖPNV bereits intensiv nutzen. Je nach Bundesland fahren rund 60 bis 72 Prozent täglich oder mehrmals pro Woche mit Bus und Bahn. Rund drei Viertel oder mehr nutzen das Deutschlandticket.
Die Ergebnisse sind daher nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Sie zeigen aber sehr deutlich die Erfahrungen von Menschen, die Bus und Bahn regelmäßig nutzen und die Stärken und Schwächen des Angebots aus ihrem Alltag kennen.
Für den VCD ist deshalb entscheidend: Wer mehr Menschen dauerhaft für den ÖPNV gewinnen und bestehende Fahrgäste halten will, muss vor allem dafür sorgen, dass Busse und Bahnen zuverlässig fahren, Anschlüsse funktionieren und Störungen nicht regelmäßig den Tagesablauf durcheinanderbringen.