Sachsen
Ortsgruppe Dresden

Stellungnahme zum Nahverkehrsplan übergeben

Der Dresdner Ortsgruppe macht sich für die Mobilitätsgarantie im ländlichen Raum und das VCD-Ostsachennetz stark.

28. Mai 2026

Der VCD war eingeladen, den Entwurf der vierten Fortschreibung des Nahverkehrsplanes für den Nahverkehrsraum Oberelbe zu kommentieren. Ein idealer Ansatzpunkt für unsere Inhalte.

Lesen Sie hier unsere Stellungnahme:

Stellungnahme

Entwurf der vierten Fortschreibung des Nahverkehrsplanes für den Nahverkehrsraum Oberelbe

Sehr geehrte Damen und Herren,

Gerne kommen wir Ihrer Anfrage für eine Stellungnahme zum zur Verfügung gestellten Entwurf für die Fortschreibung des Nahverkehrsplans nach.

Es ist erfreulich, dass die Thematik Umwelt und Klimaschutz, die Weiterentwicklung des ÖPNV zu einer intermodalen Dienstleistung in den Zielen – entgegen des Zeitgeists – weiterhin sehr präsent ist. Diese Ausrichtung gemeinsam mit transparenten Standards für die ÖV-Erschließung wird den Menschen im Verbundgebiet ermöglichen, ihre Mobilität mit echter Wahlfreiheit – und damit potenziell mit verringerten externen Effekten und somit klimagerechter und umweltfreundlich – zu gestalten.

Die im Rahmen des NVP festgelegte Orientierung an der ausgemachten Verkehrsnachfrage im ländlichen Raum bietet deswegen wenig Perspektive für die Bevölkerung, sich aus der motornormativen Abhängigkeit zu lösen. Wir möchten deswegen auf die VCD-Mobilitätsgarantie verweisen, die folgende Standards für den ÖPNV vorsieht:

  • In allen Orten ab 200 Einwohner*innen gibt es ein Angebot mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Alle Orte ab 200 Einwohner*innen werden mindestens in einem Ein-Stunden-Takt mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zum nächsten Mittel-/Oberzentrum bedient.
  • In Orten mit weniger als 500 Einwohner*innen sowie in Schwachlastzeiten können auch alternative Bedienformen (z.B. Rufbus oder On-Demand Ridesharing) eingesetzt werden.
  • Mindestens 80 Prozent der Einwohner*innen eines Ortes mit ÖV-Anschluss erreichen im Umkreis von 300 m die nächste Haltestelle.
  • Auf regionalen Hauptachsen im ländlichen Raum bestehen dichtere Takte von mindestens 30 Minuten, in urbanen Räumen von mindestens 10 Minuten.
  • Das Angebot besteht mindestens von 6 bis 22 Uhr, auch am Wochenende und in Ferienzeiten, ergänzt um zusätzliche Nachtfahrten am Wochenende.
  • Zum nächsten Mittel-/Oberzentrum braucht es maximal einen Umstieg mit sicherem Anschluss.
  • Alle Angebote sind mit Echtzeitdaten vernetzt, sodass die Anschlüsse gesichert sind – z.B. von der Regionalbahn in den Rufbus und auch bei ggf. nötigen längeren Umsteigezeiten (aufgrund von Kinderwagen, Gepäck, Rollstuhl o.ä.).

Im Rahmen der VCD-Mobilitätsgarantie begrüßen wir auch alle Tarifangleichungen und -vereinfachungen, die Übergänge und Anschlüsse erleichtern und verständlich machen. Auch Ihr Strategiekonzept Barrierefreiheit ermöglicht Teilhabe, wenn es mit klaren Fristen abgearbeitet wird.

Maßnahmen und Handlungsaufforderungen, die in diesem Sinne wirken können, werden wiederkehrend nur zaghaft-weich beschrieben („wird weiter angestrebt“, „wäre wünschenswert“, „wird die Zukunft zeigen“ etc.). Für einen Plan, der den Rahmen des ÖPNV in den nächsten Jahren absteckt, wünschen wir uns Zielvorgaben mit quantifizierten Kenngrößen (z. Bsp. Fahrgastaufkommen, Modal Shift, CO2-Einsparungen, Betriebskostensenkung), Benennung von Sachzusammenhängen und Abhängigkeiten von Dritten, klare Handlungsaufträge mit Fristen oder Terminen. Insbesondere aufgrund von Finanzierungsfragen ist dabei auch eine Priorisierung vorzunehmen. Mehr zur VCD-Mobilitätsgarantie finden Sie unter https://www.vcd.org/artikel/mobilitaetsgarantie, eine Broschüre übermitteln wir Ihnen im Anhang.

Als Beispiel für diese Einschätzung dient die Verwendung der Begrifflichkeit Modal Split:

  • Bei den planerischen Grundlagen in Teil 4 ist der Erhöhung des ÖV-Anteils am Modal Split als Leitziel für den Landesverkehrsplan benannt, wird dann allerdings fast ausschließlich in Teil 2, der Bestandsaufnahme, als ein Monitoring wiedergegeben.
  • Im Teil 3 erscheint er gar nicht, obwohl sich hier für den NVP Handlungsperspektiven aus möglichen Entwicklungen der Raumstrukturgrößen oder absehbare Erfolge durch die im Plan vorgesehenen Maßnahmen ergeben, die zu einem Modal Shift führen.
  • Im Teil 4 scheint der Modal Split außerhalb der Landeshauptstadt Dresden kein Thema für den ÖPNV zu sein. Dabei ist eine positive Wirkung durch die Etablierung der Maßnahmen des NVP aus die Rahmenvorgaben gefordert zu sein.

Im Teil 3 erscheint es uns wesentlich, wenigstens die Fälle Bestand, Prognose-Nullfall (also lediglich Änderung der Strukturgrößen) sowie den Fall des vollständigen Vollzugs des Nahverkehrsplans abzubilden. Damit können Zielvorgaben mit quantifizierten Kenngrößen sowie die Wirksamkeit der vorgesehenen Maßnahmen abgeleitet werden.

Der Dresdner Ortsgruppe des Verkehrsclub Deutschland e. V. ist die Weiterentwicklung des SPNV in der Region ein wichtiges Anliegen. Deshalb wurde bereits vor fünf Jahren das S-Bahn-Konzept aufgelegt und zur Stärkung der Region aus Anlass von Neuansiedlungen der Halbleiterindustrie heraus zu einem Ostsachsennetz aktualisiert. Wir begrüßen die Vorhaben des NVP, die das VCD-Ostsachsennetz in diesem Sinne realisieren und fordern daher bei jeder Gelegenheit eine auskömmliche Finanzierung ein. Dabei sei insbesondere die stärkere Erschließung des Dresdner Westens durch die Linien S5 und S6 Ihres Plans, auch zur Beschleunigung des RE50 durch Entfall des Halts in Nünchritz, erwähnt.

Folgende Verkehrsangebote und implizierte Infrastrukturmaßnahmen möchten wir daher Ihrem SPNV-Zielnetz ergänzen:

  • Die Taktverstetigung der S1 durch eine ergänzende S11 erreichen, deren Endhalt Pirna-Copitz Nord ist.
  • Die Verlängerung der S2 zu den Standorten der Halbleiterindustrie in Rähnitz und Wilschdorf mit Perspektive zur Verlängerung darüber hinaus. Dazu hat der VCD bereits Trassierungsstudien vorgelegt. Eine nachfragewirksame Verlängerung in Richtung Moritzburg oder Radeburg ist mit einer Machbarkeitsuntersuchung zu befördern.
  • Ein 30-min-Takt zwischen Dresden und Freiberg von 6 bis 22 Uhr.
  • Ein durchgebundene S-Bahn-Verbindung Tharandt – DD-Klotzsche über DD-Plauen und DD-Neustadt ohne Hauptbahnhof (zum Beispiel Verlängerung der S7). Es ist proaktiv eine Machbarkeitsuntersuchung mit Varianten für ein Kreuzungsbauwerk durchzuführen.
  • Es ist eine Machbarkeitsuntersuchung zur langfristigen Feinerschließung der Stadtentwicklungsprojekte und Industriegebiete in Ottendorf-Okrilla mit als Straßenbahn batterieelektrischen Tram-Train-Fahrzeugsystemen (Spurweite 1435 mm) zu erstellen.
  • Verlängerung eine S-Bahnlinie aus dem Norden bis Pirna (zum Beispiel S8).
  • S8 im Norden nach Senftenberg führen. Hoyerswerda über Kamenz mit RE anbinden, diese RE-Verbindung zur Verlängerung bis Cottbus vorsehen.
  • RE1 verlängern bis Wrocław Głowny (Breslau).
  • RB60 als S-Bahn-Linie (im VCD-Ostsachsennetz S4) mit Halten in DD-Albertstadt und DD-Freiberger Straße.
  • Ein RE-Angebot zwischen Dresden Hbf und Altenberg sowie ab Döbeln über Meißen nach Dresden Hbf, im VCD-Ostsachsennetz als RE7.
  • RE11 verlängern bis Görlitz als Ersatz für RB64.
  • Stündliche RE-Verbindung von Elsterwerda nach Cottbus.
  • Verlängern der U28 nach Löbau.
  • Ein ganzjähriges RE-Angebot zwischen Dresden Hbf und Ústí nad Labem.

Eine Übersicht über nötige Infrastrukturmaßnahmen und die schlussendlich erfolgenden Verbesserungen der Reisezeiten durch das VCD-Ostsachsennetz hinterlegen wir im Anhang. Einen Liniennetzplan und Erläuterungen finden Sie auch unter https://elbe-saale.vcd.org/der-vcd-in-elbe-saale/sachsen/ortsgruppe-dresden/ostsachsennetz

Mit freundlichen Grüßen

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