Sachsen
Ortsgruppe Dresden

Carobrücke

Chancen des Neubaus nicht vertun - Brückenquerschnitt muss für alle funktionieren

12. Juni 2026

Kostensicherheit durch angemessene Dimensionierung der Verkehrsanlagen

Das Fachexpertengremium hat seine Rangfolge der vier Entwürfe für den Neubau der Carolabrücke vorgelegt und dabei einmütig festgestellt: Alle Varianten sind realisierbar, alle halten den Kostenrahmen ein, alle weisen hohe Qualität auf. Die bisher in der Öffentlichkeit bekannten Visualisierungen behandeln die bauliche Ästhetik von der Seite. Ein Blick in die Planunterlagen aller vier Entwürfe offenbart jedoch funktionale Defizite: Der zur Verfügung stehende Querschnitt wird nach dem Grundsatz verteilt, dass vier Kfz-Fahrstreifen gesetzt sind – aber insbesondere bei Fußverkehr, Aufenthalt und Radverkehr werden Abstriche hingenommen, damit die Brückenbreite nicht zu sehr anwächst.

Folgerichtig empfiehlt das Gremium ausdrücklich, den Gestaltungsspielraum und die Kostensicherheit durch den Verzicht auf teure, aber unnötige Kraftfahrstreifen zu erhöhen

Tobias Nicke, Bauzeichner

Diese Logik ist stadtplanerisch überholt. Wenn Rad- und Fußwege entgegen ihrer Bedeutung zu schmal geraten und nur durch Markierung von Kraftverkehr getrennt, Sicherheitsabstände neben Masten fehlen, das Kettenwerk der Straßenbahn die ganze Brücke überspannt oder Konflikte zwischen Rad- und Fußverkehr entstehen, dann nicht, weil es an Platz mangeln würde – sondern weil der vorgesehene Platz nach einer Priorität verteilt wird, die sowohl dem fortwährend durch die Bevölkerung vorgebrachten Bedürfnis nach Stadtraum statt Verkehrsraum, den erklärten Mobilitätszielen Dresdens, als auch dem Stand der Wissenschaft widerspricht und im übrigen auch den Erkenntnissen der Planenden zuwiderläuft. 

„Folgerichtig empfiehlt das Gremium ausdrücklich, den Gestaltungsspielraum und die Kostensicherheit durch den Verzicht auf teure, aber unnötige Kraftfahrstreifen zu erhöhen,“ gibt Bauzeichner Tobias Nicke aus der Empfehlung wieder. Das funktioniert, ohne die Entwurfskonzepte grundlegend zu verändern.

Mehr Kraftfahrstreifen verursachen zusätzlichen Kraftverkehr – auch das ist in den Planungsunterlagen dargestellt – während weniger Fahrstreifen die gleiche Leistungsfähigkeit bringen und bares Schuldengeld sparen. „Es ist keine hochwissenschaftliche Erkenntnis, die Teile des Stadtrats schlicht ignorieren, dass die Leistungsfähigkeit der Verkehrsanlage an den benachbarten Kreuzungen und nicht auf der Brücke entschieden wird,“ erinnert Verkehrsplaner Tobias Piotrowski.

Es ist keine hochwissenschaftliche Erkenntnis, die Teile des Stadtrats schlicht ignorieren, dass die Leistungsfähigkeit der Verkehrsanlage an den benachbarten Kreuzungen und nicht auf der Brücke entschieden wird.

Tobias Piotrowski, Verkehrsplaner

Der Verkehrsclub Deutschland e. V. erwartet deshalb in der weiteren Debatte um einen Siegesentwurf und im folgenden Votum des Stadtrats eine klare Maßgabe für die weitere Planung festzuschreiben. Diese soll vorsehen, dass der Brückenquerschnitt so bemessen wird, dass Rad- und Fußverkehr vom Kraftverkehr physisch getrennte Flächen erhalten, die zudem ihrer Bedeutung als zentrale Elbquerung und Stadtbalkon entsprechen. 

„Die neue Carolabrücke ist eine Investition für Jahrzehnte. Sie sollte das Dresden von morgen bauen, nicht das von gestern verwalten,“ meint der Sprecher der Ortsgruppe Karsten Imbrock.

Die neue Carolabrücke ist eine Investition für Jahrzehnte. Sie sollte das Dresden von morgen bauen, nicht das von gestern verwalten

Karsten Imbrock, Sprecher der Ortsgruppe

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