Ostsachsen

Landkreis Bautzen

VCD nimmt Querungsstelle in Obergurig unter die Lupe

Messungen an lang diskutierter Gefahrenstelle

Der VCD unterstützt eine Bürgerinitiative in Obergurig für eine sichere Straßenquerung mit Daten aus einer Verkehrsmessung, die den Fachbehörden die Dringlichkeit des Anliegens aufzeigen sollen.

Kurz zusammengefasst:

  • In Obergurig befindet sich eine unübersichtliche Querungsstelle von Fuß- und Radweg mit einer viel befahrenen Staatsstraße.
  • Verkehrsmessungen der VCD Regionalgruppe Ostsachsen zeigten, dass trotz angeordnetem “Tempo 30” eine Vielzahl an Fahrzeugführenden gefährlich zu schnell fahren.
  • Die Messergebnisse sollen das Anliegen einer Bürgerinitiative für eine sichere Querungsstelle sachlich unterstützen und wurden Ende Mai 2026 an die zuständigen Verwaltungsstellen weitergeleitet.

Die Regionalgruppe Ostsachsen des VCD machte sich im April 2026 auf den Weg in die Gemeinde Obergurig südlich der Kreisstadt Bautzen, um eine seit dem Jahr 2024 diskutierte Querungsstelle zu besichtigen sowie Messungen durchzuführen. Die Anfrage dazu erreichte uns von zwei Initiatoren vor Ort, die sich für die Verkehrssicherheit in ihrer Gemeinde einsetzen.

Bereits im Mai 2024 starteten die beiden Initiatoren ein Bürgerbegehren „Querungshilfe auf S114 / Spreewanderweg“, da an dieser Stelle neben einer Durchgangsstraße, der überregionale Spreeradweg mit 410km Länge, sowie ein Fußweg, der auch als Schulweg genutzt wird, zusammentreffen. Weiterhin befindet sich in unmittelbarer Nähe eine Bäckerei und ein Cafe mit dem damit einhergehenden Verkehr durch Brötchenholer und Ausflügler.

Die Gefahr jedoch: Auf der Straße gilt in beiden Richtungen „Tempo 50“ und die Querungsstelle des Fuß- und Radwegs liegt direkt in einer unübersichtlichen Kurve, die obendrein von Autofahrenden gerne geschnitten wird.

Das Verfahren zum Bürgerbegehren ist schließlich auf kommunaler Ebene nicht weiter bearbeitet worden, da die Gemeinde Obergurig daran scheiterte, dass es sich an der Querungsstelle um eine Staatsstraße in Verantwortung des Landkreises handelt und die Gemeinde damit keine Entscheidungshoheit hat.

Dennoch fanden Vororttermine mit Vertretern der Gemeinde, der Unteren Straßenverkehrsbehörde und dem LASuV (Landesamt für Straßenbau und Verkehr) statt. Nach dem Termin im August 2024 wurde zunächst ein Verkehrszeichen „Achtung Radfahrer“ aufgestellt, gefolgt von einem Verkehrszeichen „Tempo 30“ nach einem Termin im August 2025. Anschließend hatte man sich geeinigt, die Verkehrssituation jeweils zu beobachten. Leichte Verbesserungen sind erst nach dem Aufstellen des Tempo 30 Schildes und zusätzlich mit einer durch die Gemeinde installierten Geschwindigkeitsanzeigetafel erreicht worden. Dennoch fährt ein Großteil der Kraftfahrer an der unübersichtlichen Stelle weiterhin zu schnell.

Eine im April 2026 stattgefundene Geschwindigkeitskontrolle durch das Landratsamt Bautzen hat zu einem großen Teil an Verwarnungen und Bußgeldern geführt. Vielen Fahrzeugführenden war auch nicht aufgefallen, dass bereits seit Monaten das niedrigere Tempolimit galt. Der Aufstellort der Schilder wird seitdem unter den Betroffenen der Geschwindigkeitskontrolle und den Einwohnern einschlägig diskutiert. Das „Blitzen“ an einer Stelle in 50m Entfernung zur Gefahrenstelle halten auch die Initiatoren des Bürgerbegehrens für nicht hilfreich. Sie befürchten, dass der Eindruck entsteht, man möchte hier „den Autofahrer“ unnötig regulieren und abzocken. Das führt in ihren Augen zu Nichtakzeptanz von Geboten und Verboten bei den Verkehrsteilnehmern.

Um die emotional aufgeladene Situation zu versachlichen, haben wir als VCD Regionalgruppe Ostsachsen beschlossen, mit einer Verkehrsmessung reale Daten zu erheben, die eine sachliche Diskussion ermöglichen. Unterstützt hat hier der VCD Landesverband Bayern mit der Bereitstellung eines Messgeräts.

Im Zeitraum 17.04.-03.05.2026 wurden schließlich insgesamt 44.000 Fahrzeuge registriert und gemessen. Dennoch fuhren 14.000 Fahrzeugführende schneller als 50 km/h, obwohl ja bereits in Richtung Bautzen höchstens 30km/h zulässig sind.

Die Auswertung der Messdaten zeigt weiterhin, dass in diese Richtung mehr als 500 Fahrzeugführende im fahrverbotspflichtigen Geschwindigkeitsbereich, d.h. über 60km/h, unterwegs sind. Spitzenreiter war eine Person, die mit 107 km/h am Messgerät vorbei fuhr!

Dass Obergurig eine Gemeinde mit nicht unerheblichem Durchgangsverkehr ist, zeigt die Zahl von ca. 3.000 registrierten Fahrzeugen täglich an der Querungsstelle.

Eine Auswertung über alle Werktage (Mo-Fr) hinweg in der Zeit zwischen 06:45 und 07:45 – in etwa die typische Schulwegzeit – zeigt 45 Fahrzeugführende, die schneller als 60 km/h gefahren sind! An einer unübersichtlichen Stelle mit kaum Reaktionszeit und Bremsweg bedeutet das 45 potentielle schwere bis tödliche Unfälle!

Die Messergebnisse zusammengefasst:

  • 14.000 von 44.000 Fahrzeugführende wurden mit mehr als 50km/h gemessen, obwohl in eine Richtung maximal 30km/h erlaubt ist
  • 3.000 Fahrzeuge täglich an der Querungsstelle
  • Werktags zwischen 06:45 und 07:45 zu Beginn des Schulunterrichts jeweils 45 Fahrten mit mehr als 60km/h gemessen
  • Die höchste erfasste Geschwindigkeit lag bei erschreckenden 107km/h!

Zu dem kommt es oft vor, dass die Mittellinie überfahren und mit einem Teil der Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn gefahren wird, was das Queren insbesondere für Kinder und ältere Menschen zusätzlich gefährlich macht. Bei LKWs kommt dies sogar noch häufiger vor.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens sind nach den Argumenten der Behörden und nun auch nach den Beurteilungen unserer Regionalgruppe zur Erkenntnis gelangt, dass die Sicherheit mit einfachen und kostengünstigen Mitteln – Markierungen, Warnschildern, etc. – nicht weiter verbessert werden kann.

In einem Schreiben am 29.05.2026 an das Landratsamt Bautzen, Sachgebiet Straßenverkehrsrecht und das LASuV Niederlassung Bautzen leiteten die Initiatoren des Bürgerbegehrens die gesammelten Daten nun weiter und baten um den Beginn der Planungen zur baulichen Umgestaltung der Querungsstelle.

Der VCD unterstützt das Vorhaben der beiden Initiatoren in Obergurig und wird den Fortgang des Verfahrens mit großem Interesse weiter verfolgen!

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