Hintergrund zur Radverkehrsführung

Sonderseite zur Carolabrücke

Der Einsturz der Carolabrücke im September 2024 war ein Unglück, aber ist eine Chance!

Warum der Radweg nicht an den Rand gehört

Hintergrund zu planerischen Mängeln des Siegerentwurf und Nachteile für den Fuß- und dem Radverkehr

Schnell und sicher zwischen Albertplatz und Hauptbahnhof

Die Achse Albertplatz - Hauptbahnhof ist die bedeutendste Verbindung des Radverkehrs in der Relation Nord-Süd.

Seit jeher wurde die Leistungsfähigkeit und Sicherheit des Radverkehrs durch die Führung auf der alten Brücke behindert. Denn der gemeinsame Weg mit dem Fußverkehr war schmal: Flanierende wichen auf den Radweg aus und bei Veranstaltungen am Königsufer war der Weg unpassierbar. Es war nötig mehrere Ampeln zusätzlich zu beachten und zu warten, während der Kfz-Verkehr in der gleichen Richtung rollen konnte.

Das blüht uns jetzt wieder! Denn auch wenn die Verkehrsflächen jetzt Mindestbreiten gemäß den Regelwerken umsetzen, reicht das schon nicht aus, wenn sich zwei Paar Fußgänger auf dem Gehweg begegnen. Auch die neuen Balkone schaffen mehr Kapazität für Schaulustige, hindern aber nicht an der Mitnutzung des Radwegs durch den Fußverkehr. Deswegen werden wir nicht müde, das zu kritisieren.

Dieses Defizit zu beheben, war der eigentliche große Wurf des Verkehrsversuchs, der kurz vor dem Einsturz begann. Die neue Brücke muss diese zentrale Verbesserung, die Behebung des alten Missstands mitbringen!

 

 

 

Verknüpfung mit dem Elberadweg

Die neue Brücke wird viel bessere Anbindungen an den Elberadweg schaffen. Das ist ein großer Gewinn für Wege, die die Relation wechseln, also zum Beispiel von Pieschen zum Campus der TU.

Allerdings: für Wegebeziehungen, die offensichtlich die Richtung wechseln, ist es ziemlich trivial und deswegen zumutbar, wenn an der Stelle des Richtungswechsels Wartezeiten durch den Phasenablauf an einer Ampel entstehen.

Wie stark die Relation Pieschen-Hbf, insbesondere im Vergleich zur Achse Albertplatz-Hbf zukünftig angenommen wird, wird man ohne Progonosemodell kaum sagen können. In der Vergangenheit war sie durch die schlechte Befahrbarkeit eher wenig ausgeprägt. Nebenher gibt es auch andere Elbquerungen für diesen Richtungswechsel.

Wir sind deswegen überzeugt: Diese Verbesserung wiegt nicht die Bedeutung der Hauptachse zwischen Albertplatz und Hauptbahnhof auf.

Sicherheit durch Trennung vom Kraftverkehr

Das Bedürfnis von wirksamer Separation vom Kraftverkehr ist absolut nachvollziehbar. Die Dresdner Ortsgruppe kämpft deswegen bei jeder Gelegenheit für Hochbordrawege oder mit durch Sicherheitstrennstreifen mit Protektionselementen markierten Radfahrstreifen auf der Fahrbahn.

Ein Hochbordradweg neben des Kraftfahrstreifen erfüllt das Sicherheitsbedürfnis. Er besteht nicht nur aus der zu nutzenden Fahrbahn, sondern auch aus konstruktiv vorgehaltenen Sicherheitsräumen. Neben der Kraftfahrbahn min. 50cm und zum Geländer an der Bahn 25cm. Der Raum für einen einfachen, ERA-konformen Hochbordradweg ist daher schon 2,75m breit. Das dürfte es in Dresden bisher nicht geben.

Zusätzlich soll der Radweg für das Überholen von mehrspurigen Fahrzeugen geeignet sind, damit wächst er um weitere 30 cm.

Wir halten das für eine sichere Führung neben der Kraftfahrbahn.

Ebenfalls gut wäre ein durch einen Sicherheitstrennstreifen mit Protektionselementen ausgeführter Radfahrstreifen auf der Fahrbahn.

Nutzbarkeit zu jeder Zeit

Die Gegenprobe macht der Roland-Kaiser-Balkon. Abgesehen von den schönen Balkonen ist der Gehweg im Entwurf TSSB nicht viel breiter als das Mindestmaß. Es sind keine drei vollwertigen Gehspuren vorgesehen. Und das wird absehbar dazu führen, dass wieder und wieder der Radweg durch Flanier- und Veranstaltungsverkehr belegt werden wird.

Damit wird dem im Stadtratsbeschluss verwiesenen Sicherheitsbedürfnis nicht abgeholfen, es wird hintergangen.

Im Prozess zum Neubau der Dresdner Carolabrücke wurde von Anfang an die Beseitigung der von Defiziten und Mängeln verfolgt. Für den Radverkehr lag das zentrale Versprechen in einer kontinuierlichen Führung neben der Fahrbahn, um die Sicherheit und Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

Selbstredend ist auch eine barrierearme Linienführung der Fußwege mit einer Längsneigung < 3 % nötig, um Personen im Rollstuhl das Bauwerk zu Teil werden zulassen. Allerdings hatte vor der Sichtung der Entwürfe niemand den Planenden unterstellt, eine steile Brücke zu entwerfen, da die Höhe aufgrund von Sichtbeziehungen in der Altstadt bereits wenig Spielraum zeigt.

Im Mai 2026 wurden drei von vier Entwürfen mit diesen Verbesserungen vorgestellt. Trotz anderslautender Empfehlungen sowohl des Fach- wie auch des Begleitgremiums wurde durch den Stadtrat derjenige Entwurf beauftragt, der diese Eigenschaften nicht per se mit sich bringt. Auf Kosten eines mutmaßlich schmalen Bauwerks werden hier Abstriche in den Flächen für die Fuß- und Radverkehr gemacht. Zwar betont die Arbeitsgemeinschaft um das Architekturbüro TSSB die Flexibilität der Anordnung der Verkehrsräume auf der Brücke, aber:

Im Oktober 2026 stellte die Dresdner Stadtverwaltung klar, dass der Siegerentwurf in Bezug auf die Radverkehrsführung stadteinwärts gemäß Stadtratsbeschluss umgesetzt werden muss. Das bedeutet erneut die defizitäre Führung auf der Kappe mit beidseitigem Queren der Straßenbahn, die dort mit viel Prosa festgeschrieben wird. Der Stadtratsbeschluss und dessen Begründung folgt aus einem Ergänzungsantrag der Fraktionen CDU, Team Zastrow sowie FDP/FB.

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