Gemeinsam mit dem Institut für Regional- und Fernverkehrsplanung (iRFP) in Dresden hat der VCD Landesverband Elbe-Saale (AG Schiene) das S-Bahn Konzept für Ostsachsen aktualisiert und entwickelt. Mit dem vorgelegten Zielfahrplan sind nicht nur viele neue Linien, Anschlüsse und Verbindungen in ganz Ostsachsen vorgesehen, sondern es können auch Zeitersparnisse im Vergleich zum jetzigen Fahrplan und die konkreten Infrastrukturmaßnahmen abgeleitet werden.
Für die Verkehrswende ist ein leistungsfähiger und attraktiver Schienenpersonennahverkehr im ländlichen Raum unerlässlich. Der Verkehrsclub Deutschland e. V. fordert seit jeher eine Stärkung des ÖPNV in der Fläche.
Angesichts der nationalen bis europaweiten Tragweite der Ansiedlung von TSMC/ESMC mit Investitionen in Höhe von 10 Milliarden Euro muss auch die öffentliche Verkehrsinfrastruktur für die Erreichbarkeit der Ziele im Dresdner Norden schnell und in deutlichem Umfang angepasst werden. Der Ausbau von Infineon, Bosch, Global Foundries und der Zuzug weiterer Firmen und Zulieferer wird laut Stadtverwaltung Dresden zu über 15.000 bis 20.000 neuen Arbeitsplätzen und entsprechenden Pendlerströmen führen. So können sich neue Arbeitskräfte bereits bei der Wohnungssuche in Dresden und der Region nach der besten Anbindung richten.
TSMC/ESMC werden durch die EU und den Bund so unterstützt, dass 2028 die Produktion aufgenommen werden kann. Nationales Ziel muss daher sein, die Region Dresden dabei zu unterstützen, bis dahin auch ein umfassendes, leistungsfähiges, stadtverträgliches Verkehrssystem zu schaffen.
Für die Bereitstellung der erforderlichen finanziellen Landes- & Bundesmittel (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG), Regionalisierungsgesetz (RegG), Bundesschienenwegeausbaugesetz (BSWAG) u.a.) müssen unter der Federführung des Freistaates Sachsen das Land zusammen mit der Landeshauptstadt Dresden sowie dem Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe (Z-VOE) jetzt die Entscheidungen zusammen mit dem Bund treffen.
Arbeitskräfte entscheiden sich für das Verkehrsmittel, mit dem sie einfach, bequem und in kurzer Zeit ihren Arbeitsplatz erreichen können. Der Reisezeitvergleich der Dresdner Stadtverwaltung zwischen den Verkehrsmitteln zeigt, dass die Anbindung zu den Industriegebieten im Dresdner Norden mit S-Bahn, Straßenbahn und Bus deutlich verbessert werden muss. Nur so können die vielen zusätzlichen Beschäftigten Ihre Arbeitsplätze erreichen, ohne im Stau zu stecken. S-Bahnen, Straßenbahnen und Busse müssen zukünftig oft und umsteigefrei – zum Teil auf neu zu schaffenden Routen – fahren.
1972 zu den olympischen Spielen in München und 2000 zur Weltausstellung in Hannover konnte gezeigt werden, wie große Ereignisse in kurzer Zeit zu deutlichen Verbesserungen im öffentlichen Verkehr zwischen einer Großstadt und der Region führen können.
Zur Vermeidung von Staus auf den Autobahnen und Hauptstraßen, wachsendem Durchgangsverkehr auf den Nebenstraßen und zum Vorteil der Wohnbevölkerung in der gesamten Region Dresden fordern die Unterzeichnenden dieser Petition die erheblich beschleunigte Planung und Umsetzung der geforderten Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrsnetzes. 10 Jahre oder länger währende Umsetzungszeiten können nicht akzeptiert werden.
Der Ausbau des Mikroelektronikstandorts Dresden mit europaweiter Strahlkraft hat im Dresdner Norden, in der Gesamtstadt sowie in der angrenzenden Region bedeutende verkehrliche Folgen. Entsprechend müssen neben der Forcierung des Firmenausbaus, auch gleichzeitig alle Mobilitätsfragestellungen gelöst werden. Als fachliche Grundlage und Debattenbeitrag hat der VCD Elbe-Saale gemeinsam mit dem Institut für Regional- und Fernverkehrsplanung (iRFP) in Dresden einen eigenen Zielfahrplan für Ostsachsen erarbeitet.
Ausgehend von den am 21.09.2020 in der Zentralbibliothek Dresden vorgestellten Ideen für ein S-Bahn Netz hat sich der VCD fachliche Unterstützung vom renommierten iRFP eingeholt. Dabei mussten verschiedene Ideen erneut diskutiert und schließlich verworfen werden, während neue Ansätze und vorhandene Untersuchungen in die Untersuchung eingeflossen sind. In mehreren Schritten entstand daraus der hier vorgestellte Zielfahrplan für Ostsachsen.
In das Konzept sind die konkreten infrastrukturellen Voraussetzungen des heutigen Schienennetzes eingeflossen. Die Fachtiefe erlaubt eine qualifizierte Betrachtung und Argumentation in Augenhöhe mit dem Infrastrukturbetreibern.
Die vollständige Auflistung der Linien und ihrer Verläufe ist auf der Unterseite (Link) nachzulesen.
Mit den konzeptionierten S-Bahn Linien sind umfangreiche Anpassungen im RE und RB-Verkehr verbunden. Neu im S-Bahn-Konzept des VCD ist ein neuer RE 7 / RB 70 von Döbeln über Meißen, Dresden, Heidenau nach Glashütte und Altenberg vorgesehen. Die Durchbindung nach Altenberg hat den Vorteil, ein Fahrzeug einzusparen. Zudem ist der Einsatz von Batterietriebzügen hier sehr gut möglich.
Zwischen Dresden und Görlitz wird ein grundsätzlich stündlicher RE 1 angeboten. Im Konzept haben wir den Ausbau auf 160 km/h und die Elektrifizierung von Dresden-Klotzsche nach Görlitz unterstellt. Die Verlängerung des RE 1 nach Wrocław ist ebenfalls möglich. Der RE nach Görlitz verkehrt grundsätzlich mit Zugpaar nach Zittau/Liberec. Die Flügelung und Vereinigung erfolgt in Bischofswerda.
Nach Chemnitz und Hof sehen wir in unserem Konzept ein stündlich wechselndes RE- und Fernverkehrsangebot vor. Zudem sind im VCD-Konzept Trassen berücksichtigt worden, die ein ebensolches RE-, und Fernverkehrsangebot über Chemnitz weiter nach Altenburg, Gera, Jena und Erfurt ermöglichen. Mit diesen Ergänzungen werden halbstündliche Expressangebote zwischen Chemnitz und Dresden eingerichtet.
Die heutige RB 45 zwischen Chemnitz und Elsterwerda wird zum RE aufgewertet, die zwischen Chemnitz und Döbeln nur in Mittweida und Waldheim hält. In Riesa und Elsterwerda werden erstklassige Anschlüsse nach Leipzig und Berlin eingerichtet.
Die RB 71 zwischen Pirna und Sebnitz über Neustadt (Sachs) bleibt wie im Bestand. Wesentliche Änderungen sieht das S-Bahn-Konzept bei der U28 vor, die von Rumburk über Ebersbach nach Löbau verlängert wird, wo gute Anschlüsse von und nach Görlitz eingerichtet sind. Infolge der Optimierung von Anschlüssen in Bad Schandau kann von der U28 auf den RE 50 umgestiegen und Dresden in 53 Minuten von Sebnitz erreicht werden.
Im VCD S-Bahn Konzept wird auf die aktuellen Trends und Entwicklungen der Schienenfahrzeugtechnik zurückgegriffen. Im Sinne eines emissionsfreien und modernen Angebotes sind in unserem Konzept keine Dieseltriebzüge mehr vorgesehen. Sämtliche Linien, die teilweise nicht unter der Oberleitung verkehren oder auch nur im Zielbahnhof unter Fahrdraht stehen, können mit Akku-Hybrid Triebzüge gefahren werden. Das ergab die im Rahmen des Konzeptes erstellte qualifizierte Leistungsberechnung der einzelnen Linien auf Grundlage der vorhandenen Infrastruktur, des zugrunde gelegten Fahrplanes und der aktuell verfügbaren Akkutriebzüge der Hersteller. Alle Akku-Reichweiten wurden im Rahmen einer Energieumsatzberechnung nachgewiesen und nur dort langeführt, wo bereits heute verfügbare Akkutechnologien und Kapazitäts-Masse-Verhältnisse den Einsatz erlauben. Demnach sind auf folgenden Linien Akku-Hybrid Triebzüge vorgesehen:
Neben den aufgelisteten Akku-Hybrid Triebzügen sind auf der S1, dem RE 1 und dem RE 8 Mehrsystemfahrzeuge erforderlich, die unter 3 kV Gleichspannung in Tschechien verkehren können. Im Rahmen von kommenden Ausschreibungen können entsprechende Triebfahrzeuge bestellt werden. Bei Beibehaltung der lokbespannten Züge können auch einfach Mehrsystemlokomotiven, wie im Güterverkehr eingesetzten werden. Beides ist Stand der Technik.
Anhand des VCD Zielkonzeptes können die erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen abgeleitet werden. Grundsätzlich wurde das Konzept unter der Prämisse erstellt, dass die Eingriffe in die Infrastrukturmaßnahmen so gering wie möglich gehalten werden. Weiterhin wurden schon lang vorgesehene Maßnahmen der Infrastrukturbetreiber unterstellt (Elektrifizierung Dresden – Görlitz, Erzgebirgsgrenztunnel, Zugdeckungssignal Bischofswerda, Erhöhung der Geschwindigkeit Priestewitz – Ruhland). Der Großteil der aufgeführten Maßnahmen umfasst den Einbau von Weichenverbindungen, die Einrichtung von Bahnsteiggleisen oder den Wiederaufbau von Kreuzungsbahnhöfen, wie in Burkhardtwalde-Maxen oder in Schirgiswalde-Kirschau. Diese Maßnahmen stehen in keinem Verhältnis zu anderen Infrastrukturmaßnahmen im Deutschlandtakt, wie z.B. die Reaktivierung der Elbebrücke bei Barby oder die Ertüchtigung des Citytunnels auf 14 Züge pro Stunde. Nach Ansicht des VCD und iRFP ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis unserer Veranschlagten Maßnahmen damit ein lobenswert unterdurchschnittliches.
Die Verlängerung der S-Bahn-Linie S2 von Dresden-Flughafen um 3 km zum Airportpark soll bis 2030 fertig gestellt werden. Die Elektrifizierung und Taktverdichtung, sowie Fahrzeitverkürzung auf den Bahnlinien Richtung Ostsachsen, vornehmlich Dresden – Görlitz und Arnsdorf – Kamenz – Hosena soll bis 2030 umgesetzt sein.
Das aktualisierte VCD S-Bahn-Konzept verbessert das Schienenpersonenverkehrsangebot für Ostsachsen in zahlreichen Aspekten. Angesichts der Dringlichkeit von zu erwartender wachsender Nachfrage durch die erwachsende Chipindustrie im Dresdener Norden müssen Mittel und Wege gefunden werden, diesen Vorschlag zu realisieren.
Mit dem erarbeiteten VCD S-Bahn Konzept kann dem für Ostsachsen nach Ansicht der Autoren ideenlosen 3. Gutachterentwurf des Deutschlandtaktes eine qualitativ hochwertige Alternative mit einem wirklichen Angebotsausbau in der Region entgegengesetzt werden. Letztendlich werden nur diejenigen Maßnahmen für den Deutschlandtakt mit Bundesmitteln umgesetzt werden können, die im Zielfahrplan auch enthalten sind. Daher ist es umso wichtiger im Deutschlandtakt wirkliche Angebotsverbesserungen einzubringen. Dazu hat der VCD einen konkreten und validierbaren Vorschlag erarbeitet. Jetzt sind die Politik, die Zweckverbände, die Interessenvertretungen gefragt, wenn sie es ernst meinen mit der Verkehrswende und einer Verdopplung der Fahrgastzahlen.